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Christoph Ernst, Kulturjournalist des Kölner ExpressBisher haben wir schon viel von der Kölner Oper, von Fidelio und dem ganzen Apparat, der dies alles überhaupt zustanden bringt, erfahren. Jetzt neigt sich dieses Projekt dem Ende zu und in ein paar Wochen, findet die Generalprobe von Fidelio statt, die wir besuchen dürfen. Abschließend wird jeder von uns eine Kritik über das Stück schreiben und aus diesem Grund, war ein Gespräch mit einem erfahrenen Kritiker schon fast unumgänglich. Glücklicherweise stellte sich der Kulturchef des Kölner Express, Herr Christoph Ernst, persönlich zur Verfügung, um uns nicht nur das Schreiben einer Kritik zu erläutern. Die erste Frage, die sich wahrscheinlich jeder von uns sofort gestellt hatte, lautete: Gibt es im Express denn überhaupt einen Kulturteil?, was Herr Ernst lächelnd bejahte. Er gab jedoch zu, dass es sehr schwer sei, den durchschnittlichen Express-Leser nach sieben Seiten Sport dazu zu bringen, sich eine Konzertkritik durchzulesen. Doch mit der richtigen Überschrift, einer spritzigen Einleitung und einem schnell lesbaren Text, sei man da schon auf dem richtigen Weg. Dann erklärte uns Herr Ernst, dass unsere Kritik zusammenfassend und objektiv sein sollte. Wenn jedoch das Theaterstück, das Konzert oder die Oper nun überhaupt nicht den eigenen Geschmack trifft, und eine objektive Berichterstattung nicht möglich scheint, sei aber noch eine Befragung des Publikums oder eine Kritik ohne Kritik möglich, d.h. ein Bericht ohne eine Meinung abzugeben. Wie wir erfuhren, kann eine Kritik nämlich auch vieles bewirken, wie Herr Ernst nicht selten zu spüren bekommt. Empörte Anrufe der Regisseure, die keine Karten mehr für ihre Stücke verkaufen, sowie Dankes-Mails derer, die mit dem Verkauf nicht nachkommen, sind daher nicht selten und gehören einfach dazu. Nachdem wir nun über das Verfassen einer Kritik aufgeklärt waren, interessierten wir uns nun mehr für Herrn Ernst und für seinen Tagesablauf. Sein Tag beginnt um 10 Uhr mit einer Konferenz, in der die allgemeinen Themen zunächst festgelegt werden. Der Express ist hierin, sehr frei, denn er hat keine Informationspflicht, wie der Kölner Stadt-Anzeiger. Er orientiert sich nur danach, was den Leser interessiert. Später hat man bis in den Nachmittag Zeit, um den Artikel zu verfassen, und dann wird alles im Layout zusammengefügt. Um 18 Uhr bereits, liegt der erste Druck vor, der noch Korrektur gelesen werden muss. (Wir staunten, dass nicht jeder Journalist gleich auch der Rechtschreibung kundig ist.) Eigentlich ein sehr entspannter Arbeitsalltag. Weit gefehlt, denn Pressekonferenzen, Ausstellungseröffnungen und abendliche Premieren müssen besucht werden. Herr Ernst scheint auch dann noch nicht genug zu haben, und arbeitet zusätzlich noch an seiner eigenen Rubrik, �Jetzt wird�s Ernst�, in der er dann seine persönliche Kritik abgibt. Wir ließen die Gelegenheit natürlich nicht aus, einen Fachmann wie den Kulturchef des Express danach zu fragen, wie für uns die Chancen stehen, Kulturhauptstadt 2010 zu werden. Herr Ernst räumte durchaus gute Chancen ein, denn Köln hat das umfassendste Kulturangebot nach Berlin, welches er auch zusätzlich, neben den beruflichen Pflichtterminen, auskostet. Als wir fragten, ob er bei soviel Arbeit und eigenem Engagement nicht eine niveauvollere Leserschaft vorziehen würde, entgegnete er, dass dieser Wunsch vielleicht manchmal aufkomme, aber dieser auch schnell wieder verflöge. Denn den Einfluss und die Nähe die Herr Ernst zu seinen Lesern hat, ist in einer Tageszeitung, wie z. B. dem Kölner Stadt-Anzeiger nicht vorhanden. Dieses Treffen hat in unserer Stufe sicherlich vieles bewirkt. Nicht nur, dass wir wissen, wie man eine Kritik schreibt, (das wäre im Internet schneller nachzulesen gewesen) sondern, dass man auch mit einem schlechten Fehlerquotienten in Deutsch ein guter Journalist werden kann. Außerdem verabschiedeten wir uns, von einem weit verbreiteten Vorurteil: Der durchschnittliche Leser des Express, ist nicht der Bauarbeiter, der eigentlich nur wissen will, ob der 1. FC Köln genau so gut abschneidet, wie das Nacktmodell auf der letzten Seite, sondern ein Leser mit breit gefächerten Interessen. Sarah, Vanessa |