Interview mit dem Schauspieler Andreas Grötzinger „Herzog von Alba“
Welche Rolle spielen Sie im Theaterstück „Don Carlos“?

Ich spiele den Herzog von Alba. Es ist zwar nicht die Hauptrolle, aber sie ist dennoch nicht reizlos. In Kürze werde ich zum zweiten Mal Vater und eine Rolle, die nicht so zeitintensiv ist, kommt mir daher gerade recht.

Wie kamen Sie dazu, Schauspieler zu werden?

Während meiner Schulzeit wollten viele meiner Freunde Schauspieler werden. Wir haben oft darüber gesprochen, doch nicht jeder hat es in Erwägung gezogen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht...

Welche Ausbildung wird benötigt?

Ich hatte Glück. Nach einem 4-jährigen Studium habe ich mich an der Schauspielschule beworben und wurde angenommen. Die meisten Studierten müssen sich jedoch mehrmals und an mehreren Schauspielschulen bewerben, bevor sie mit der Ausbildung beginnen können.

Wie haben Sie sich auf das „Vorsprechen“ vorbereitet ?

Ich habe einen inneren Monolog aus dem Stück „Der Disneykiller“ von Philipp Ridley auswendig gelernt. Den habe ich dann an allen Theatern vorgetragen. Dies war jedoch nicht das Einzige. Jeder Schauspieler musste in der Lage sein Rollen zu spielen, die dort vorgegeben werden.
An einem der Theater bekam ich die Aufgabe, mir vorzustellen, ich sei in
einem Wald. Dort sollte ich mal wie eine Kirsche, mal wie eine Waldbeere usw. über die Bühne laufen. Ungefähr bei der achten Frucht fiel mir einfach nichts mehr ein. Ich wusste, ich kann einpacken!

Wie sind Sie ausgerechnet zu diesem Theater gekommen?

Dieses ist eines von vielen Theatern, an denen ich mich beworben und vorgesprochen habe. Schließlich hatte ich das Glück, hier eine Anstellung zu finden.

Wie ist das mit der Rollenverteilung, darf sich jeder Schauspieler die Rolle, die er spielen möchte, selbst aussuchen?

Natürlich nicht. Das macht der Regisseur. Wenn sich jeder Schauspieler seine Rolle selbst aussuchen könnte, würde es ein großes Durcheinander geben! Manche Rollen würden dann zwei- und vierfach besetzt, andere überhaupt nicht. Wir im Theater sind ein festes Ensemble, aus dem die Schauspieler für die Rollen besetzt werden. Meistens erfahren wir aus der ausgehängten Besetzungsliste, welche Rollen uns zugeteilt wurden.

Welche Schwierigkeiten gibt es beim Schauspiel? Vielleicht das Auswendiglernen?

Das Auswendiglernen geht normalerweise sehr schnell. Die Verse, die man spricht, haben einen bestimmten Rhythmus, man erkennt sofort den Fehler, den man macht. Das Prinzip beim Auswendiglernen kann man eigentlich mit dem der Gedächtniskünstler vergleichen: Man stellt sich einfach Bilder oder Geschichten vor und baut sich somit einige Eselsbrücken ein. Es ist praktisch wie ein assoziatives Netz. Da gibt es andere Schwierigkeiten...Wenn man auf der Bühne steht, sollte man meines Erachtens versuchen, nicht allzu viel rumzuhampeln. Das kann manchmal vor Aufregung passieren und die verspüre ich jedes Mal, obwohl der „Herzog von Alba“ bereits meine 24. Rolle ist.

html-vorlage & gfx by Thomas Heß - 2004 - Impressum