Kostüme

Die Kostüme in allen Feinheiten werden durch kleine, farbige Skizzen des Kostümbildners entworfen. Jedes Kostüm wird nach diesen Entwürfen für den Darsteller in der Schneiderei maßgeschneidert. Die Festlegung der Schnitte, vor allem bei historischen Kostümen wichtig, wird durch die Gewandmeister festgelegt.

Nicht mehr gebrauchte Kostüme werden im Fundus aufgehoben, neben einem Lager direkt bei den Werkstätten gehört auch noch ein großes Lager im Schauspielhaus dazu. Die Kleider sind nach Jahrhunderten sortiert, wobei oben die Gewänder hängen, die für den Verleih bestimmt sind und hinten die, die für die laufenden Vorstellungen präsent seien müssen.
Damit sich der Schauspieler auch zu jeder Zeit im richtigen Kostüm befindet, sind ihm während der Vorstellung Ankleider zugeteilt, die ihn in Windeseile vom einen in das andere Kostüm helfen.

Zur „Don Carlos“ - Inszenierung erfahren wir zunächst überrascht, dass es keine prunkvollen Kostüme aus der Entstehungszeit des Dramas geben wird, da das Stück allgemein modernisiert wird. Außer der Ausnahme im Kostüm der kleinen Infantin, welche ein prunkvolles barockes Kleid tragen wird, haben alle Schauspieler schlichte, aber schicke Hosenanzüge an, auch die weiblichen Charaktere wie z.B. die Königin oder die Prinzessin Eboli. Der Grund für diese doch sehr moderne und abstrakte Kleidung ist, dass das Stück im allgemeinen einen aktuellen Bezug haben soll, welcher durch die Kostüme bei den Zuschauern glaubwürdiger vermittelt werden soll und auch den Darstellern den Zusammenhang zwischen den Charakteren aus dem 17. Jahrhundert und der heutigen Zeit vereinfachen soll.

Ein zweiter Grund ist außerdem, dass die prunkvollen Kostüme, vor allem bei den Frauen, sehr ausladend sind und somit die Schauspieler bei ihrer Bewegung behindern würden, da z.B. auch die Ein- und Ausgänge im Bühnenbild von vornherein nicht für solche Kleider konzipiert wurden und somit zu klein wären. Ein weiterer wichtiger Punkt bei den Kostümen ist, dass sie in schwarz weiß gehalten wurden, diese Farbzusammenstellung schafft den einzigen Hinweis auf die damalige Zeit, da um 1600 die spanische Hofmode ebenfalls nur in den Farben Schwarz und Weiß getragen wurde.

Kostümbildnerin ( Assistentin )

Zunächst wurde allgemein dargestellt, welche Aufgaben eine Kostümbildnerin im Theater hat. Als Erstes folgt nach der Bekanntgabe eines neuen Stückes natürlich die Auseinandersetzung jedes Mitarbeiters mit der Literatur und die Besprechung einiger Vorentwürfe mit Instanzen, wie Maskenbild, Regie, Intendanz, Produktionsleitung und Bühnenbild. Diese Vorentwürfe bestehen aus ersten ausgesuchten Stoffen für die Vorauswahl der ersten Kostümvorstellungen, sowie die Präsentation erster Zeichnungen. Wichtig bei diesen Entwürfen ist, dass jeder Charakter durch seine Kleidung angemessen dargestellt wird. Als zweiter Schritt folgt nun das Entwerfen erster Kostüme, Schuhe und Accessoires, ganz wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass vor jedem neuen Schritt oder Entscheidung über die Kostüme eine Konzeptbesprechung abgehalten wird. Sind mehrere Kostümvorschläge entworfen und besprochen, so folgt die endgültige Kostümauswahl für das Stück. Nun werden wiederum Stoffe und auch normale Kleidung in Katalogen und Geschäften eingekauft, vereinzelt kann es auch vorkommen, dass bereits vorhandene Kostüme aus dem Kostümfundus umgenäht werden.

Die Anfertigungszeit aller Kostüme ist sehr gering, da diese bereits vor den ersten Proben fertig sein müssen. Trotz dieser Frist für die Kostümbildner und Assistenten werden die Proben nicht in den Original- Kostümen abgehalten, die Schauspieler bekommen Kostüme aus dem Fundus, die den Originalen gleichen, so müssen z.B. beim Ersatzschuh die Absätze ebenso hoch wie beim Originalschuh sein. Sind nun alle Kostüme angefertigt, folgen mehrere Anproben, bei denen diese endgültig und individuell an jeden Schauspieler angepasst werden.

Kostüme im Theater bringen bestimmte Bedingungen mit sich, sie müssen z.B. aus leichten Stoffen bestehen, damit die Schauspieler sich auf der Bühne gut bewegen können und sich wohl fühlen. Dies ist vor allem bei älteren Stücken, durch die stark ausladenden Kleider, nicht immer zu realisieren ist, was dazu führt, dass die Kostüme für die Inszenierung modernisiert werden, wie z.B. bei Don Carlos. Bedingung hierfür ist jedoch wiederum, dass die Kostümbildnerin sich mit dem Stück auseinandersetzt und sich überlegt, ob diese Modernisierung der Kostüme überhaupt im Zusammenhang möglich ist und nicht die ganze Aussage des Stückes verfälscht wird, da die Kostüme einen sehr großen Einfluss auf den Eindruck des Zuschauers haben.

Die Kostümbildnerin und eine ihrer Assistentinnen sind bei jeder Probe dabei, falls etwas benötigt wird, geändert oder repariert werden muss. Außerdem dienen sie als Hilfe bei der Anprobe, damit die Kostüme perfekt und nach ihren Vorstellungen sitzen.

Zuletzt wollten wir von unserer Interviewpartnerin schließlich noch wissen, was man zum Beruf der Kostümbildnerin für Fähigkeiten mitbringen muss um den gestellten Anforderungen zu genügen. Als Kostümbildnerin sollte man vor allem Spaß an kreativen Tätigkeiten, wie z.B. den optischen Entwurf, mitbringen. Außerdem gehört ein Interesse an Film, Theater und darstellender Kunst genauso dazu, wie die Kenntnisse über Kunst- und Kostümgeschichte. Von Vorteil sind auch handwerkliche Fähigkeiten und Geschick, genau wie ein Sinn für Ästhetik, Freude im Umgang mit Textilien und gute Zeichenkenntnisse für die ersten Vorentwürfe. Für das kreative Arbeiten helfen Ideenreichtum, Kreativität und künstlerisches Gespür. Im Theater kommt außerdem noch hinzu, dass man einen Überblick über die wichtigsten Werke der Theaterliteratur benötigt.

Die Arbeitszeit in der Woche besteht aus ca. 70 – 80 Stunden. Zur Ausbildung haben wir erfahren, dass man entweder Modedesign oder speziell Kostümdesign studieren kann, dass es sich jedoch vorher empfiehlt ein Praktikum oder Volontariat in einem Theater oder in einer Theaterschneiderwerkstatt zu absolvieren. Bei der Ausbildungszeit handelt es sich an Fachhochschulen um 10 Semester, an Kunsthochschulen um 8 Semester, die teilweise Praxissemester enthalten. Während dieser Zeit beschäftigt man sich u.a. mit Inhalten wie Kostümgeschichte, Entwurf, Stilrichtungen, Zeichnen, Materialkunde und Konzeptfindung.


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