Interview mit Jessica Otten, Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit
Für welche Arbeiten sind Sie zuständig?

Das Marketing des Schauspielhauses ist für jegliche Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich:
Für die Zusammenarbeit mit der Presse, wir dienen sozusagen als Informationsquelle für das Stück; außerdem erstellen wir sogenannte Pressemappen, welche zum einen für die Journalisten als Quelle dienlich sind und natürlich für spätere Anfragen
(z.B. Doktorarbeiten) oder für das Schauspielhaus intern archiviert werden.
Die Pressemappe enthält jegliches Informationsmaterial- Hintergrundwissen, Schauspieler und ausgewählte Fotos.
Eine Hauptaufgabe des Marketings ist der Entwurf von Werbemitteln, wie beispielsweise Plakate, Citylights (große auffällige Werbeflächen mitten in der Stadt), Programmhefte („Spielzeit“), Handzettel, Spielpläne, Prospekte, Citypostkarten oder Anzeigen, wobei wir uns jedoch immer an ein gewisses Budget für Druckerarbeiten etc. halten müssen.
Wir bringen Ideen mitein, für die künstlerische Umsetzung ist jedoch der Grafiker verantwortlich.

Wie gehen Sie bei der kreativen Arbeit, sprich dem Entwurf der Werbemittel, vor?

Als erstes setzen wir uns mit den Grafikern zusammen und erarbeiten ein Konzept über die Auswahl der Motive und die Anordnung. Besonders wichtig ist bei der kreativen Arbeit das Zusammenspiel mit dem Dramaturgen, welcher über eine kompetente Stückkenntnis verfügt. Dieser nennt uns bestimmte Schlüsselszenen- b.z.w. – wörter, die uns einen groben Eindruck verschaffen. Dann beginnt die freie Arbeit, da wir hauptsächlich improvisieren
müssen.

Müssen Sie bei den Entwürfen auf bestimmte Aspekte achten?

Im Vordergrund steht immer der Gedanke, dass man die Aufmerksamkeit der Bürger erregen muss. Dabei setzt man meistens auch fest, welches Publikum erreicht werden soll – in letzter Zeit wird verstärkt auf junges Publikum gesetzt. Man versucht durch gute Werbung junge Leute für die Oper zu interessieren.
Wichtig bleibt jedoch immer eine gute und für das Schauspielhaus charakteristische Linie, welche ungefähr einmal im Jahr wechselt. Wichtig ist hierbei natürlich auch immer der Wiedererkennungseffekt durch ein bestimmtes Logo.

Woher wissen Sie ob eine Linie gut ist?

Wir erkennen eine gute Linie am Zuspruch und den Reaktionen des Publikums. Im Regelfall ändern wir eine Linie zum Jahrsbeginn, aber wenn eine Linie gut „ankommt“ wechseln wir natürlich erst einmal nicht. Unsere gegenwärtige Linie beispielsweise ist ansprechend.

Wie sieht Ihre derzeitige Linie aus?

Charakteristisch für unsere derzeitigen Plakate sind Fotos, die sehr ins Detail gehen z.B. eine Lorbeertüte, eine Treppe, die Garderobe des Schauspielhauses oder wie bei
„Don Karlos“ eine große Plakatwand am Ebertplatz in Köln, auf welcher ein Stier zu sehen ist, diese sollte ursprünglich als Webung für ein alkoholisches Getränk dienen.
Im Mittelpunkt der derzeitigen Linie stehet für uns die Alltagsästethik.

Ist ein solches Motiv denn nicht irritierend für die Menschen auf der Straße?

Gerade der zweite Blick, schafft es, das Interesse des „Zuschauers“ zu erwecken. Wenn er über den Sinn und somit auch den Urheber des Plakats nachdenkt, haben wir unser Ziel schon erreicht.

Was zeichnet diese Arbeit aus?

Besonders interessant und spannend ist die Kreativität und der Ideenreichtum, den man mit einbringt, wobei man natürlich auch häufiger Kompromisse eingehen muss, da man immer kundenorientiert bleiben soll b.z.w muss – nicht jede kreative Idee ist auch einsetzbar für die breite Masse. Man sollte sich immer fragen: was erwarte ich und was erwartet das Publikum.
Dennoch muss man während unserer Arbeit immer auf die Einhaltung unseres zur Verfügung stehenden Budgets bedacht sein.

Welche Ausbildung braucht man für diese Arbeit?

Nach meinem Magister in Germanistik und Politik und Zusatzkursen für neue Medien, Projektmanagement, BWL und Marketing habe ich in einer Internetagentur und in einer weiteren kleineren Marketingagentur gearbeitet, bis ich zum Schauspielhaus gekommen bin.

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