Private Konflikte

Die Inszenierung zu Friedrich Schillers „ Don Carlos“ ist in zwei grundlegende Beziehungskonflikte gespalten, welche den Handlungsverlauf des Dramas kennzeichnen: einerseits der Konflikt „Liebe und Eifersucht“, andererseits der Generationskonflikt zwischen Vater und Sohn. Beide Konflikte werden stark thematisiert, jedoch wird der Liebeskonflikt in den Vordergrund gehoben. Er besteht aus einem Netz voneinander abhängiger Einzelkonflikte. In diesem Netz der Gefühle begegnen dem Zuschauer gebrochene Treue, Freundschaft, sowie hoffnungslose und verweigerte Liebe ausgehend von den vier Hauptcharakteren.

Liebeskonflikte
Den Beginn dieser Konfliktkette bildet die Heirat zwischen Philippp und Elisabeth, bei der die Liebe zwischen Carlos und Elisabeth der politischen Vernunft weichen muss. Das ohnehin schon gestörte Verhältnis zwischen Vater und Sohn wird zugespitzt, da Carlos seine Liebe zur früheren Verlobten und jetzigen Stiefmutter nicht vergessen kann.
Die Gefühle des Stiefsohnes zu seiner Mutter sollten sich jedoch bald ändern, denn Elisabeth lehnt alle Annäherungsversuche des Thronfolgers ab, sie bleibt treu und bietet ihm einzig und allein ihre Freundschaft an. Carlos realisiert schließlich, dass diese Liebe nur Schmerz und Hoffnungslosigkeit bedeutet.
Ein weiterer Beziehungskonflikt entsteht zwischen Carlos und der Prinzessin von Eboli, der nach ihrem Bekenntnis die Liebe verweigert wird, denn Carlos liebt Elisabeth, dies erkennt die Eboli. Durch das Wissen um diese Liebe entsteht der Konkurrenzkampf zur Königin, geschürt von ihrer Eifersucht. Der Zuschauer erfährt ebenfalls von der sexuellen Begierde des Königs zur Eboli. Es liegen nun zwei geheime „Beziehungen“ vor, die es aufzudecken gilt.
Auf der anderen Seite jedoch betrügt der König seine Frau mit der Hofdame Eboli.

Generationenkonflikt
Ebenso wenig wie mit seiner Frau gelingt Philippp der Umgang mit seinem Sohn. Es liegt ein Generationenkonflikt vor, von Fremdheit und Abneigung geprägt. Er sieht seinen Sohn wegen seines gefühlsgeleiteten Verhaltens nicht als seiner Nachfolge würdig an. Der Herrscher verweigert seinem Sohn die Anerkennung als gleichberechtigtem Thronfolger, denn er fürchtet, entsprechend seiner eigenen Thronbesteigung, dessen mögliche Umsturzversuche.

 

Beide Charaktere sind folglich stark kontrastierend angelegt. In dieser Vater- Sohn- Beziehung fehlt es an jeglicher emotionaler Bindung. Carlos sieht in Philippp eine Schreckensgestalt, Philippp in Carlos einen Schwächling. Es kann nicht anders kommen, als dass alle Annäherungsversuche der beiden scheitern. Den ersten Versuch startet Philippp und verfolgt dabei den Zweck, das Kommando in Flandern zu bekommen. Er wird zurückgewiesen. Später ist Philippp derjenige, der zur Versöhnung bereit zu sein scheint, er will seinem Sohn die Freiheit schenken, wird jedoch von diesem des Mordes an Posa bezichtigt. Carlos verliert jegliche Gefühle zu seinem Vater.
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